Jahresbericht 2006

TNr. 39: Personalkosten des medizinisch-technischen Dienstes der Universitätsklinika

Universitätsklinikum Großhadern

Bei den Personalkosten des medizinisch-technischen Dienstes der bayerischen Hochschulklinika hat der ORH erhebliches Potenzial für Wirtschaftlichkeitsverbesserungen festgestellt. Organisationsmängel in der Physiotherapie führen zu Erlösausfällen.

Aufgrund der Einführung der DRG's 1 ergeben sich spätestens nach Ende einer Übergangsphase (Konvergenzphase) ab 2009 erhebliche Erlösausfälle für die Universitätsklinika. Um die Größenordnung dieser finanziellen Risiken abschätzen zu können, hat der ORH die Erlössituation nach dem derzeitigen Basisfallwert der Klinika und dem künftig einheitlichen Landesbasisfallwert des Jahres 2004 überschlägig gegenübergestellt. Danach wäre ab 2009 mit einer Erlösminderung von 138 Mio € jährlich bei den bayerischen Hochschulklinika zu rechnen. Vor diesem Hintergrund sind die Universitätskrankenhäuser gezwungen, alle Möglichkeiten zu Kostenreduzierungen bzw. Erlössteigerungen auszuschöpfen, um den absehbaren finanziellen Schwierigkeiten entgegenzuwirken. Der ORH hat in der Vergangenheit bereits Einsparmöglichkeiten bei den Personalkosten in der Verwaltung und im Pflegedienst aufgezeigt.2

Nach dem Pflegepersonal und dem ärztlichen Dienst bildet das medizinisch-technische Personal mit einem Anteil von 17,8 % den dritten großen Block unter den Personalkosten der Hochschulklinika. Wegen der finanziellen Bedeutung untersuchte der ORH auch diesen Kostenbereich.
  

39.1    Gegenstand der Querschnittsuntersuchung

Zum medizinisch-technischen Dienst zählen u.a. folgende Personalgruppen: Apothekenpersonal, Arzthelfer, Chemiker, chemisch-technische Assistenten, Gesundheitsingenieure, Krankengymnasten, Masseure, medizinisch-technische Assistenten, Physiker, Psychologen, Röntgenassistenten, Schreibkräfte im ärztlichen und medizinisch-technischen Bereich, Sekretäre, Sozialarbeiter, Tierpfleger, Zahnarzthelfer, wissenschaftliche Mitarbeiter. Wegen des funktionellen Zusammenhangs wurden auch die Archivmitarbeiter und Fotografen mit erfasst.

39.2    Personalsituation

In den bayerischen Hochschulklinika sind zum Stichtag der Erhebung (31. Dezember 2004) insgesamt 4 243 Vollkräfte im medizinisch-technischen Dienst beschäftigt. Diese umfassen neben den o.g. Personalgruppen auch die Auszubildenden, Zivildienstleistenden und Praktikanten. Um eine Beeinflussung durch individuelle Besonderheiten (z.B. Altersstruktur) im Interesse der besseren Vergleichbarkeit zu vermeiden, wurden in nachfolgender Zahlenübersicht den Ist-Stellen die jeweiligen Personaldurchschnittskosten zugrunde gelegt und die Fremdvergaben hinzugerechnet.

Personalausstattung und -kosten

Im Interesse einer einheitlichen Vergleichsbasis, blieben die Mitarbeiter der Institute für Humangenetik und für Medizinische Statistik und Epidemiologie bei der Technischen Universität München und des Instituts für Arbeits‑ und Umweltmedizin der Universität München unberücksichtigt. Diese Abteilungen sind bei den anderen Universitäten im nichtklinischen Bereich angesiedelt.

39.3    Gesamtvergleich

Da ein direkter Vergleich aufgrund der unterschiedlichen Größe der Universitätsklinika nicht sinnvoll ist, werden die Erlöse aus stationären und ambulanten Leistungen sowie der Staatszuschuss für Forschung und Lehre als Vergleichsparameter herangezogen. Vergleicht man die Personaldurchschnittskosten mit diesem Parameter, so ergeben sich folgende Kennzahlen:

Gesamtvergleich 2004
Der Anteil der Personalkosten des medizinisch-technischen Dienstes an der Summe aus Gesamterlösen und Staatszuschuss variiert zwischen 11,3 und 12,2 %. Die Hochschulkrankenhäuser liegen damit trotz baulicher und struktureller Unterschiede im Gesamtvergleich sehr eng beieinander.

39.3.1    Vergleich nach Funktionen

Um in Einzelbereichen Optimierungsmöglichkeiten aufzeigen zu können, hat der ORH seine Querschnittsuntersuchung verfeinert und verschiedene Funktionsgruppen des medizinisch-technischen Dienstes untersucht. Hierzu wurden der Personalkostenanteil einzelner Funktionsbereiche mit den Gesamtkosten des medizinisch-technischen Dienstes verglichen.

Dabei zeigte sich, dass Anteile einzelner Funktionsbereiche bei den Universitätsklinika signifikant unterschiedlich sind. Erheblich sind sie in folgenden Bereichen:

  • Apothekenpersonal: TUM mit einem Vollkraft-Anteil von 5,0 % zu Regensburg mit 2,8 %,
  • Röntgenpersonal: Würzburg mit einem Vollkraft-Anteil von 9,8 % zu Regensburg mit 6,2 %,
  • Arzthelfer, Sekretäre, ärztliche Schreibkräfte, Verwaltungsangestellte etc.: Regensburg mit einem Vollkraft-Anteil von 28,3 % zu Würzburg mit 21,0 %,
  • Sonstiges Personal 3 des medizinisch-technischen Dienstes: LMU mit einem Vollkraft-Anteil von 42,8 % zu Regensburg mit 35,6 %.


39.3.2    Potenzial für Wirtschaftlichkeitsverbesserungen

Der ORH hat bei seiner Ermittlung des Einsparpotenzials nur wesentliche Abweichungen vom Mittelwert der Personalausstattung berücksichtigt. Danach ergibt sich ein Optimierungspotenzial von rd. 6,8 Mio €.

Optimierungspotenziale

Das Staatsministerium weist hierzu darauf hin, dass eine Mittelwertberechnung, die die speziellen Strukturen sowie das jeweilige Leistungsspektrum der einzelnen Universitätsklinika außer Acht lasse, nicht geeignet sei, sachlich begründete Einsparungen aufzuzeigen oder Wirtschaftlichkeitsverbesserungen darzulegen. Eine sachgerechte Personalbedarfsermittlung zeichne sich gerade dadurch aus, dass sie unter Berücksichtigung individueller Strukturen und des realen Leistungspotenzials unter Beachtung wirtschaftlicher Aspekte eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung der Patienten zulasse.

Nach Feststellung des ORH fehlt es den Universitätsklinika an einer solchen sachgerechten Personalbedarfsermittlung. Angesichts der im Krankenhausbereich drohenden finanziellen Schwierigkeiten sollte diese möglichst rasch eingeführt werden.

39.4    Physiotherapie

Gegenstand einer gesonderten Untersuchung war der Bereich der Physiotherapie. Hierzu zählen die Krankengymnasten, Masseure, medizinischen Bademeister und Physiotherapeuten.

Die physiotherapeutischen Einrichtungen der bayerischen Universitätsklinika sind unterschiedlich organisiert. Würzburg (mit Ausnahme des Zentrums für operative Medizin) und Erlangen haben die Physiotherapeuten verschiedenen Kliniken direkt zugeteilt. Sie sind dem jeweiligen Klinikdirektor unterstellt. In Regensburg sind die Physiotherapeuten in einer Abteilung zusammengefasst und der Klinik für Chirurgie zugeordnet. Bei den Münchner Universitätsklinika kommen beide Organisationsformen vor, wobei die Ludwig-Maximilians-Universität einen Sonderstatus einnimmt, da sich in Großhadern der einzige Lehrstuhl „Physikalische Therapie und Rehabilitation“ in Bayern befindet.

Im Rahmen dieser Querschnittsuntersuchung ergaben sich Feststellungen hinsichtlich der Leistungserfassung und der Sicherung der Liquidationserlöse von Privatpatienten.

39.4.1    Leistungserfassung

Bisher werden an den Hochschulklinika im Bereich der Physiotherapie unterschiedliche Arten der Leistungserfassung eingesetzt. Lediglich das Universitätsklinikum Regensburg hat eine durchgängige Leistungsdokumentation. Der ORH hält es für dringend erforderlich, eine einheitliche patientenbezogene Leistungserfassung und Dokumentation bei allen Kliniken vorzunehmen. Neben den Fallzahlen sollten daher auch die Behandlungszeiten ermittelt werden. Die Arbeitsgemeinschaft Medizinische Fach- und Assistenzberufe ist der Auffassung, dass vor dem Hintergrund der Einführung der DRG's und der damit verbundenen Umstrukturierung in den Kliniken, die lückenlose Leistungserfassung in diesem Bereich ein sinnvolles und notwendiges Analyse- und Steuerungsinstrument sei. Die Einführung einer durchgängigen und einheitlichen Leistungserfassung trage dazu bei, Umstrukturierungsbedarf innerhalb eines Klinikums besser und schneller erkennen zu können. Dadurch könnte der Einsatz der vorhandenen Mitarbeiter effektiver gestaltet werden. Nach Ansicht des ORH ist eine solche flächendeckende Leistungserfassung auch die Voraussetzung dafür, die Physiotherapie als Instrument zur Verkürzung der Verweildauer und zur Erlössteigerung nutzen zu können.

Das Staatsministerium hat mitgeteilt, dass mittlerweile an fast allen Kliniken eine durchgängige Erfassung und Dokumentation der physiotherapeutischen Leistungen erfolge. Eine einheitliche Leistungserfassung sei in Regensburg und Großhadern gegeben und im Klinikum der Technischen Universität München geplant.

Das Staatsministerium sieht in den Prüfungsmitteilungen des ORH viele weiterführende Anregungen, die die Klinika gerne aufnehmen und - sofern nicht schon geschehen - soweit wie möglich umsetzen werden. Der ORH hält es für vordringlich, schnell eine einheitliche Leistungserfassung einzuführen, damit die Klinika über das notwendige Steuerungsinstrument für Einsparungen verfügen.

39.4.2    Abrechnung von Leistungen

Grundsätzlich sind die physiotherapeutischen Behandlungen auf den Krankenstationen - genauso wie Speiseversorgung und Pflege - im Pflegesatz bzw. in der Fallpauschale enthalten. Sie werden somit nicht gesondert vergütet. Eine Ausnahme hiervon sind die stationären Privatpatienten. Bei diesem Personenkreis werden die physiotherapeutischen Leistungen vom jeweiligen Chefarzt abgerechnet und der Erlös anteilig (in Höhe des Nutzungsentgelts und Vorteilsausgleichs) an das Klinikum weitergeleitet.

Voraussetzung für die Abrechnung ist u.a. die Qualifikation als Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin bzw. die Zusatzbezeichnung Physikalische Therapie. Dies erfüllt aber nur ein Teil der liquidierenden Chefärzte. So wurden zwar für Privatpatienten physiotherapeutische Leistungen verordnet, konnten aber nur dann abgerechnet werden, wenn die fachliche Qualifikation vorlag. Dadurch entgingen den Universitätsklinika erhebliche Einnahmen. Aufzeichnungen über die Ausfälle lagen bei den Kliniken, mit Ausnahme von Regensburg, nicht vor. In Regensburg führte die mangelnde Liquidationsmöglichkeit seit April 2003 zu Erlösausfällen von ca. 190 000 € jährlich.

Um Einbußen durch die fehlende Facharztqualifikation zu vermeiden, sollte nach Ansicht des ORH die dezentrale Struktur der physiotherapeutischen Einrichtungen aufgegeben werden. Sämtliche Beschäftigte sollten einem Klinikdirektor unterstellt werden, der die fachärztlichen Voraussetzungen zur Abrechnung dieser Leistungen mitbringt.

Eine Zentralisierung erleichtert auch die Einführung und Umsetzung einer konsequenten und homogenen Leistungserfassung. Außerdem hat eine zentral organisierte Physiotherapie die Möglichkeit, beim Personaleinsatz rascher auf die ständigen Änderungen hinsichtlich Patienten‑ und Behandlungsart zu reagieren (Poolbildung).

In seiner Stellungnahme teilte das zuständige Ressort mit, dass alle Klinika außer Erlangen eine Zentralisierung der physiotherapeutischen Einrichtungen anstreben würden. Im Falle von Regensburg sei man bemüht, durch Neueinstellung einer Ärztin, die über die Zusatzqualifikation „Physiotherapie“ verfüge, Abhilfe zu schaffen.


1) Diagnosis Related Groups

2) ORH-Berichte 2004 und 2005, jeweils TNr. 40

3) bestehend aus Mitarbeitern der Labore und der Bereich Biologie, Chemie, Elektro, Feinmechanik und Technik sowie aus Ingenieuren, jInformatikern, Physikern, Wissenschaftlern und medizinisch-technischen Assistenten und Angestellten.