Jahresbericht 2023

TNr. 56 Wirtschaftliche Situation der Bayerischen Staatsforsten

Die wirtschaftliche Situation der Bayerischen Staatsforsten, namentlich deren Liquidität, ist angespannt: 2019 bis 2021 erzielten die Bayerischen Staatsforsten erstmals Jahresfehlbeträge von zusammen über 186 Mio.€. Eine Zahlungsunfähigkeit konnte u.a. nur durch einen hohen Überbrückungskredit, erhebliche Einsparungen und Aussetzung der Zuführungen zum Alterssicherungsfonds abgewendet werden. Der ORH empfiehlt, den Mitteleinsatz auf die Staatswaldbewirtschaftung, also das Kerngeschäft zu konzentrieren, Liquiditätsreserven für Krisensituationen aufzubauen und die Personalaufwendungen fortlaufend zu evaluieren.

Der ORH hat 2020/2021 mit dem Staatlichen Rechnungsprüfungsamt Regensburg die wirtschaftliche Situation der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) geprüft. Schwerpunkt der Prüfung waren die Ursachen der negativen wirtschaftlichen Entwicklung und daraus abzuleitende Maßnahmen. Als Prüfungszeitraum wurden die Geschäftsjahre (GJ) 2015 bis 2021 zugrunde gelegt. In Teilen wurde auch die Unternehmensentwicklung seit Gründung einbezogen. Die Prüfung erfolgte auf Basis des Art. 111 BayHO i.V.m. dem Gesetz zur Errichtung des Unternehmens „Bayerische Staatsforsten“ (StFoG) und dem BayWaldG.


56.1 Ausgangslage

Die BaySF sind eine rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts im Geschäftsbereich des Forstministeriums (Aufsichtsbehörde).

Sie sind ein rechtlich und wirtschaftlich eigenständiger Forstwirtschaftsbetrieb. Zur Gründung im Jahr 2005 haben die BaySF rd. 780 Beamte von der ehemaligen Staatsforstverwaltung übernommen, für welche die BaySF gemäß StFoG die Finanzierung von Versorgungs- und Beihilfeleistungen tragen. Die Altersbezüge werden teilweise über einen betriebseigenen Alterssicherungsfonds finanziert.

Die BaySF bewirtschaften für den Freistaat mit insgesamt etwa 2.700 Beschäftigten eine Gesamtfläche von 808.000 Hektar,1 davon auf etwa 756.000 Hektar den zur Nutzung übertragenen bayerischen Staatswald.2

Die BaySF sind ein gewinnorientiert wirtschaftendes Unternehmen. Ihren Aufwand, der aus der Erfüllung ihrer Aufgaben und weiteren Geschäfte entsteht, decken sie aus den erwirtschafteten Erträgen. Das StFoG legt fest, dass die BaySF sowohl ihre Aufgaben als auch die „weiteren Geschäfte“ nach kaufmännischen Grundsätzen zu führen haben.

Ihre Aufgabe ist es, das Forstvermögen, insbesondere den Staatswald, unter Beachtung der Grundsätze einer naturnahen Forstwirtschaft in vorbildlicher Weise zu bewirtschaften. Dabei sind in besonderem Maße die Belange des Naturschutzes, der Landschaftspflege, des Klimaschutzes und der Wasserwirtschaft zu berücksichtigen. Die Bewirtschaftung des Staatswalds umfasst alle Maßnahmen, die der Erzeugung und Verwertung von Holz sowie der Sicherung und Verbesserung der Schutz- und Erholungsfunktion und der biologischen Vielfalt im Staatswald dienen. Darüber hinaus erbringen die BaySF besondere Gemeinwohlleistungen (bGWL) im Sinne des Art. 22 Abs. 4 BayWaldG3, die über die gesetzlichen Anforderungen der Waldbewirtschaftung der BaySF hinausgehen und für die die BaySF 10% der Kosten tragen; die restlichen 90% werden durch das Forstministerium mittels Zuwendungen finanziert. Daneben übernehmen die BaySF die Ausübung des Jagdrechts auf den ihr zur Bewirtschaftung zugewiesenen Flächen.

Die BaySF können darüber hinaus „weitere Geschäfte“ betreiben, die im Zusammenhang mit den Aufgaben der Bewirtschaftung des Staatswalds und der Jagd stehen und sollen diese auch betreiben, wenn dies dem effizienten Einsatz ihrer personellen und sachlichen Kapazitäten dient.

Organe der BaySF sind Vorstand, Aufsichtsrat und Beirat. Der Aufsichtsrat entscheidet u.a. über die Feststellung des Jahresabschlusses und über die Verwendung des Jahresergebnisses auf Vorschlag des Vorstands. Dabei sollen die BaySF nach dem StFoG angemessene Rücklagen bilden.

Weiter ist gesetzlich geregelt, dass die BaySF für Investitionen und zur Umschuldung Kredite bis zur Höhe von 10% des Eigenkapitals aufnehmen dürfen, wenn eine andere Finanzierung nicht möglich ist oder wirtschaftlich unzweckmäßig wäre. Die Aufnahme weitergehender Kredite bedarf der Genehmigung der Aufsichtsbehörde im Einvernehmen mit dem Finanzministerium.

Der Freistaat haftet für die Verbindlichkeiten der BaySF unbeschränkt, soweit die Befriedigung aus dem Vermögen der Anstalt nicht möglich ist. Aufgrund dieser Gewährträgerhaftung ist die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gesetzlich ausgeschlossen.4


56.2 Feststellungen


56.2.1 Entwicklung der wirtschaftlichen Situation


56.2.1.1 Jahresergebnisse

Die BaySF erzielten in den GJ5 2006 bis 2018 durchgängig Jahresüberschüsse von fast 733 Mio.€. Ab dem GJ 2019 bis einschließlich GJ 2021 waren Jahresfehlbeträge zu verzeichnen; in Summe mehr als 186 Mio.€.

Abbildung 27
Die Jahresfehlbeträge sind v.a. auf eine überregionale Holzmarktkrise zurückzuführen, die sich aufgrund stetig steigender Schadholzmengen infolge massiver Stürme (Niklas 2015 und Sabine 2020) und einer Trockenperiode 2018 entwickelte. Dieser Krise begegneten die BaySF in den GJ 2016 bis 2019 mit Einsparungen (z.B. im Bereich der Wegeinstandhaltung) in Höhe von 63 Mio.€.

Die Höhe der an die BaySF gewährten Zuwendungen für die gesetzlich verpflichtende Erbringung von bGWL stieg bis 2021 auf annähernd 18 Mio.€ an. Aufgrund des Eigenanteils der BaySF von 10% an den angefallenen Aufwendungen erhöhte sich auch dieser deutlich und belastete z.B. das Jahresergebnis 2021 mit 2 Mio.€.


56.2.1.2 Umsatzstruktur

Die BaySF erzielten seit ihrer Gründung durchschnittlich 90% des jährlichen Gesamtumsatzes aus dem Verkauf von Holz.6 Die übrigen Umsätze verteilten sich auf die „weiteren Geschäftsfelder“ (insbesondere Vermietung und Verpachtung), „Jagd und Fischerei“, „bGWL“ und „sonstige“.

Tabelle 84


Die Umsätze aus dem Verkauf von Holz verringerten sich ab dem GJ 2018 im zweistelligen Millionenbereich. Im Vergleich zum GJ 2015 ergaben sich zum GJ 2020, in dem der Umsatz aus Holzverkauf einen historischen Tiefpunkt von 268 Mio.€ erreichte, Umsatzeinbußen von über 100 Mio.€. Teilweise konnten die Umsatzrückgänge durch Steigerungen u.a. in den weiteren Geschäftsfeldern aufgefangen werden.


56.2.1.3 Personalaufwand und Versorgungslasten

Die BaySF erbrachten in den GJ 2015 bis 2021 durchschnittlich mehr als 40% ihrer Gesamtaufwendungen für das Personal.7 Im GJ 2021 lagen die Personalaufwendungen mit 160 Mio.€ um 16,1% höher als 2015. Ursache sind die gestiegenen Löhne und Gehälter im Zeitraum von 2015 bis 2021 (+10,9%) sowie gestiegenen Sozialabgaben und Aufwendungen für Altersversorgung (+34,0%).

2010 führten die BaySF einen „Alterssicherungsfonds“ ein. Mit diesem sollen in wirtschaftlich guten Jahren Finanzmittel für die zukünftigen Versorgungsleistungen angespart werden. Mit Blick auf die wirtschaftliche Situation setzten die BaySF im GJ 2020 die zunächst vorgesehene Zuführung von 20 Mio.€ aus. Zudem wurden Maßnahmen ergriffen, durch die bis Ende 2035 insgesamt 30 Mio.€ weniger zugeführt werden. Damit verlagern die BaySF die Finanzierung der Versorgungslasten teilweise auf die Jahre nach 2035; mit der Einführung eines Verstetigungsmodells für den Alterssicherungsfonds wird jedoch eine kontinuierlichere und moderatere Liquiditätsbelastung angestrebt.


56.2.1.4 Investition

In den GJ 2015 bis 2021 wurden durchschnittlich knapp 20 Mio.€ pro Jahr in Anlagevermögen investiert, darunter im Bereich Immobilien über 10 Mio.€. Hierzu zählt u.a. der Neubau der gastronomisch bewirtschafteten Tannenhütte8 bei Garmisch-Partenkirchen mit einem Investitionsvolumen von 3,41 Mio.€, deren Bau ohne gesonderte Wirtschaftlichkeitsbetrachtung umgesetzt wurde. Im Nachgang erstellte Kalkulationen zeigen, dass die Tannenhütte dauerhaft Verluste9 einfahren wird.


56.2.2 Eigenkapital und Finanzmittelbestand

Das Eigenkapital der BaySF hatte zum 30.06.2021 mit 5 Mio.€ den niedrigsten Stand seit Gründung.10 Es ist somit im Vergleich zum 30.06.201511 um 225 Mio.€ zurückgegangen und im Vergleich zum 30.06.202012 um 64 Mio.€.

Abbildung 28
Der Finanzmittelbestand (liquide Mittel) der BaySF verringerte sich in den GJ 2018 bis 2020 stetig. Im Vergleich zum 30.06.2015 gingen die liquiden Mittel zum 30.06.2020 um 71,4% zurück. Die Unternehmensleitung bewertete gegenüber den internen Gremien die Liquiditätslage noch im März 2019 als „hervorragend“ und änderte diese Einschätzung im März 2020 auf „besorgniserregend“. Die liquiden Mittel erreichten ihren bisherigen Tiefstand mit 2,50 Mio.€ Anfang Dezember 2020. Wie sich im GJ 2020 zeigte, belasteten Sturm und Borkenkäfer die Liquidität des Unternehmens mit 120 Mio.€.

Abbildung 29
Zur finanziellen Konsolidierung vereinbarten die BaySF auf Basis eines Beschlusses des Aufsichtsrats vom August 2020 die Erhöhung der Kontokorrentlinien von 5 auf 30 Mio.€. Darüber hinaus wurden mit Zustimmung des Forstministeriums und im Einvernehmen mit dem Finanzministerium mittel- bzw. langfristige Kreditlinien mit einem Volumen von 100 Mio.€ vereinbart, im Rahmen derer im März 2021 die BaySF einen Bankkredit von 50 Mio.€ mit einer Laufzeit bis 2028 aufnahmen.

Zum 30.06.2021 wiesen die BaySF liquide Mittel in Höhe von 103 Mio.€ auf. Hierin enthalten sind Mittel aus der Aufnahme des o.g. Bankkredits und Corona hilfen von 12 Mio.€. Darüber hinaus wurde die Zuführung zum Alterssicherungsfonds ausgesetzt und Instandhaltungsmaßnahmen im Kerngeschäft zurückgestellt.


56.2.3 Rücklagenbildung und Gewinnabführung

Rücklagen sind erforderlich, damit der Betrieb in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit ohne wesentliche Kreditaufnahme alle gesetzlichen Aufgaben erfüllen kann. Laut Begründung zum StFoG13 sollen in wirtschaftlich guten Zeiten ausreichende Rücklagen in Form von liquiden Mitteln angespart werden.

Nach Abschluss eines GJ erstellte der Vorstand der BaySF stets einen förmlichen Vorschlag zur Gewinnverwendung, welcher die Rücklagenbildung und Gewinnabführung beinhaltete. Hierfür prognostizierten die BaySF jeweils zum Ende eines GJ den voraussichtlichen Saldo aus Geldzu- und Geldabflüssen (Cashflow14-Prognose) des folgenden GJ. Der Aufsichtsrat folgte bei seinen diesbezüglichen Beschlüssen stets den Empfehlungen des Vorstands. Seit Gründung stellten die BaySF 65 Mio.€ in die Gewinnrücklagen ein; davon 52 Mio.€ in den GJ 2006 bis 2008. Demgegenüber führten die BaySF seit ihrer Gründung bis einschließlich GJ 2017 Gewinne von 648 Mio.€ an den allgemeinen Staatshaushalt ab. Für die GJ ab 2018 erfolgten keine Gewinnabführungen mehr.

In den GJ 2015 bis 2018 ergab sich ein positiver Cashflow vor Gewinnabführung von 228 Mio.€. Demgegenüber führten die BaySF in diesen GJ in Summe 260 Mio.€ an den Freistaat ab und griffen damit auf Liquiditätsreserven des Unternehmens zurück. Am Beispiel des GJ 2018 zeigte sich: Die BaySF führten auf Grundlage des Jahresüberschusses des GJ 2017 54 Mio.€ an den Staatshaushalt ab. Dies basierte auf dem geschätzten Cashflow von über 49 Mio.€. Der tatsächliche Cashflow betrug 27 Mio.€, sodass die Gewinnabführung Liquiditätsreserven von 27 Mio.€ beanspruchte.


56.2.4 Ausblick


56.2.4.1 Forstbetrieb 2030

Die BaySF starteten im Dezember 2020 das Projekt „Forstbetrieb 2030“. Die BaySF sollen danach für die Zukunft als moderner und effizienter Forstbetrieb aufgestellt werden. Das Projekt beschäftigt sich u.a. mit der Frage, welche Formen der Zusammenarbeit für den Forstbetrieb der Zukunft erfolgskritisch sind und welche Bedeutung dies für die unterschiedlichen Geschäftsbereiche der BaySF hat. Dabei sind die Risiken, die sich aus dem Klimawandel, dem demografischen Wandel und den Unwägbarkeiten des Holzmarkts ergeben, zu berücksichtigen.

Im Rahmen des Projekts wurde beschlossen, dass kein Personalabbau erfolgen soll, da dies dem Ziel eines leistungs- und zukunftsfähigen Forstbetriebs zuwiderlaufen würde. Weiter wurde festgelegt, dass ab dem GJ 2024 ein sog. Klimawaldfonds aufgebaut werden soll. In diesem sollen bis zum 30.06.2029 liquide Reserven für Krisenzeiten von 200 Mio.€ gebildet werden.


56.2.4.2 Wirtschaftliche Entwicklung

Die BaySF kalkulieren in regelmäßigen Abständen ihre künftige wirtschaftliche Entwicklung (sog. Mehrjahresplanung). Sie rechnen nach eigenen Angaben bis 2030 mit einer sukzessiven wirtschaftlichen Erholung und zum 30.06.2030 mit einem Eigenkapital in einer Höhe von 96 Mio.€.

Dabei ist berücksichtigt, dass

  • die Personalkosten weiter ansteigen,
  • die Einzahlungen in den Alterssicherungsfonds geleistet werden können,
  • der Überbrückungskredit bis Ende 2028 getilgt wird und
  • keine Gewinnabführungen an den Freistaat erfolgen.

Mögliche Auswirkungen von überregionalen Großstörereignissen wurden in der o.g. Mehrjahresplanung bis 2030 finanziell nicht abgebildet. Wie die Auswertung der zurückliegenden drei Dekaden zeigt, muss alle sieben bis zehn Jahre allein auf Sturmereignisse bezogen mit überregionalen Störungen gerechnet werden.15 Wie sich im GJ 2020 zeigte, belasteten Sturm und Borkenkäfer die Liquidität des Unternehmens mit 120 Mio.€.

56.3 Würdigung und Empfehlungen


56.3.1 Entwicklung der wirtschaftlichen Situation

Der ORH stuft die wirtschaftliche Situation der BaySF im Jahr 2021 als sehr angespannt ein. Zumindest mittelfristig wird die Handlungsfähigkeit des Unternehmens in zukünftige Investitionen deutlich eingeschränkt bleiben. Dies gilt auch für die Erschließung neuer, vom Holzmarkt unabhängiger profitabler Geschäftsfelder.

Die Bewirtschaftung des Staatswalds wird von externen Faktoren, wie z.B. Kalamitäten erheblich beeinflusst. In den vergangenen Jahren entwickelte sich u.a. aufgrund großer Schadholzmengen in weiten Teilen Europas ein Holzmarkt mit hoch volatilen Preisen. Trotz erheblicher Umsatzeinbußen in den GJ 2017 bis 2021 wurden ohne erkennbaren zukünftigen Gegenwert für das Unternehmen überdies noch Projekte außerhalb des Kerngeschäfts (u.a. die Tannenhütte) umgesetzt. Dadurch wurde die Liquidität zusätzlich belastet. Dies ist insbesondere auch vor dem Hintergrund kritisch zu sehen, weil im gleichen Zeitraum erhebliche Einsparungen im Bereich der Kernaufgaben ergriffen werden mussten und die Zuführungen zum Alterssicherungsfonds zeitweise ausgesetzt wurden.

Der ORH empfiehlt den BaySF, ihren Mitteleinsatz in Zukunft auf die Erfüllung der Kernaufgaben zu konzentrieren. Darüber hinausgehende Investitionen sollten grundsätzlich ein wirtschaftliches Ziel verfolgen.

Zudem empfiehlt der ORH, die Aufwendungen für das Personal als wesentlichen Kostenblock auf betriebswirtschaftlicher Basis fortlaufend zu evaluieren. Ferner muss berücksichtigt werden, dass die zu erbringenden bGWL zunehmen, was zusätzliche ungedeckte Aufwendungen (Eigenanteil 10%) bedeutet.


56.3.2 Eigenkapital und Finanzmittelbestand

Der ORH bewertet die Liquiditätslage nach wie vor als angespannt. Ob die BaySF in den nächsten Jahren in der Lage sein werden, ausreichend Liquiditätsreserven zu bilden und so für wirtschaftlich schwierige Zeiten vorzusorgen, ist fraglich.

In nur fünf GJ war die ursprünglich als „gut“ einzustufende Eigenkapitaldecke der BaySF aufgebraucht. Die zum Ende des GJ 2021 gegebene Eigenkapitalquote von 0,84% ist niedrig, die Kapitalstruktur unausgewogen.

Die Kreditaufnahme war unausweichlich, um den laufenden Betrieb des Kerngeschäfts
sicherzustellen. Die BaySF haben es versäumt, rechtzeitig ausreichende Rücklagen aufzubauen, um kreditfinanzierte Verlustausgleiche zu vermeiden.


56.3.3 Rücklagenbildung und Gewinnabführung

Die Unternehmensleitung unterschätzte in den letzten Jahren die zunehmende negative Dynamik aus dem Kerngeschäft und deren Folgen für die weitere Entwicklung des Unternehmens.

Bei der Festsetzung der Höhe der Rücklagenbildung und Gewinnabführung haben sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat in der Vergangenheit nicht ausreichend darauf hingewirkt, notwendige Liquiditätsreserven zu bilden. Im Vordergrund standen hohe Gewinnabführungen an den allgemeinen Staatshaushalt.

Spätestens ab dem GJ 2018 hätte der Unternehmensleitung ersichtlich sein müssen, dass diese Gewinnabführungen zulasten von Liquiditätsreserven und notwendigen Instandhaltungen im Kerngeschäft geleistet wurden. Nicht zielführend war dabei auch, sich bei der Festsetzung der Höhe der Gewinnabführung an einer Cashflow-Prognose zu orientieren. Das Beispiel des GJ 2018 zeigt, wie weit die Prognose den tatsächlichen Cashflow überschätzte.


56.3.4 Ausblick

Neue gesetzliche Vorgaben16 und wachsende gesellschaftliche Ansprüche an den Wald werden die Erträge der BaySF dauerhaft und spürbar reduzieren. Dem geplanten „Klimawaldfonds“ kommt daher eine besondere Bedeutung zu. Angemessene Liquiditätsreserven sind für die Sicherstellung der Handlungsfähigkeit der BaySF und damit auch für die Erfüllung des gesetzlichen Auftrags notwendig. Sie sollten zeitnah aufgebaut werden.

Eine Personalbedarfsplanung auf Grundlage unternehmerischer Kennzahlen stellt eine Daueraufgabe dar. Nur so kann die Unternehmensleitung auf geänderte Rahmenbedingungen reagieren. Daher sollte der Beschluss, den Personalabbau im Rahmen des Projekts Forstbetrieb 2030 auszuschließen, überprüft werden.

Der ORH sieht die Einschätzung der BaySF zu deren wirtschaftlicher Entwicklung bis 2030 als zu optimistisch, denn Großstörereignisse, die statistisch etwa alle sieben bis zehn Jahre eintreten, wurden nicht berücksichtigt. Ein solches Ereignis würde sowohl die Tilgung des Überbrückungskredits als auch den Aufbau des „Klimawaldfonds“ in der geplanten Höhe infrage stellen.


56.4 Stellungnahme der BaySF und der Verwaltung

Die BaySF betonen, sie seien ein rechtlich und wirtschaftlich eigenständiger Forstbetrieb. In der Vergangenheit habe es zur Erwartungshaltung an das Unternehmen BaySF gehört, dass es bei unternehmerischen Erfolgen angezeigt gewesen sei, den Freistaat an der allgemein positiven Entwicklung des Unternehmens seit Gründung partizipieren zu lassen und durch die Gewinnabführung einen Beitrag zum Staatshaushalt zu leisten. Die Konzentration auf Kernaufgaben und deren vorrangige Beachtung sei folgerichtig. Aufgrund sich stetig verändernder Rahmenbedingungen sei jedoch eine dauerhaft zu enge Auslegung von Kernaufgaben nicht zwingend zielführend. Vielmehr brauche es in Zukunft die Möglichkeiten von Schwerpunktsetzungen im Rahmen der Auftragserfüllung. Dabei sollten aus Sicht der BaySF immer kaufmännische Grundsätze die Grundlage von Entscheidungen bilden, wenngleich nicht jeder Nutzen von Maßnahmen finanziell bewertet werden könne und sich der Erfolg von neuen Geschäftsbereichen nicht mit absoluter Sicherheit voraussagen lasse. Zum unternehmerischen Handeln gehöre es auch, Chancen zu nutzen und dafür gezielt nach hinreichender Abwägung Risiken einzugehen. Die Investitionsstrategie der BaySF werde evaluiert. Dabei solle verstärkt auch die Wirtschaftlichkeit in den Mittelpunkt gerückt werden und insbesondere für Investitionen außerhalb des Kerngeschäfts Effizienzgewinne bzw. nachhaltige Renditechancen Grundvoraussetzung sein.

Rückblickend hätten die Gewinnabführungen an den Staatshaushalt während der finanziell erfolgreichen GJ dazu geführt, auch den Freistaat an der positiven Entwicklung des Unternehmens partizipieren zu lassen. Allerdings sehen die BaySF, dass die Schaffung einer angemessenen Rücklage geholfen hätte, in finanziell sehr schwierigen GJ die ausfallenden Erlöse auszugleichen. Sie hätten sich aufgrund der Entwicklung der letzten GJ für die Schaffung eines Klimawaldfonds entschieden, um eine Rücklage in Form einer Liquiditätsreserve aufzubauen und diese dann in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zur Sicherung der Handlungsfähigkeit einsetzen zu können.

Bei den BaySF seien bereits umfangreiche Planungsprozesse etabliert. Im Mittelpunkt der neuen Mehrjahresprognose solle die Diskussion stehen, wohin sich das Unternehmen zukünftig entwickeln könnte und welche finanziellen Auswirkungen dies hätte. Des Weiteren würden die BaySF die zu erfüllenden Aufgabenfelder analysieren. Schwerpunkt solle dabei die Definition von Zielgrößen in Bezug auf den jährlichen Normalaufwand zur Erfüllung des gesetzlichen Auftrags sein.

Die Entwicklung der Personalkosten solle regelmäßig und differenziert geprüft werden. Insbesondere sollten kritische Einzelentwicklungen in das Controlling eingehen.

Die finanzielle Situation der BaySF habe sich im Lauf des Kalenderjahres 2022 wieder stabilisiert. Im GJ 2022 (Abschluss 30.06.2022) sei man in die Gewinnzone zurückgekehrt und habe zudem ein negatives Eigenkapital vermeiden können. Im Rahmen des Jahresabschlusses sei es bereits gelungen, vorzeitig 20 Mio.€ in den BaySF-Klimawaldfonds einzulegen und 10 Mio.€ für die Rückzahlung des Kredits zweckzubinden. Die Bemühungen im Rahmen des Strukturprojekts „Forstbetrieb 2030“ würden erste Erfolge zeigen.

Das Forstministerium verweist ergänzend darauf, dass der Aufbau des sog. Klimawaldfonds aus einem Aufsichtsratsbeschluss infolge der politischen Entscheidung resultiere, dass keine Gewinne mehr an den Staatshaushalt abgeführt werden sollen. Die Gewinne in der Vergangenheit nicht zur Rücklagenbildung zu verwenden, sondern diese an den Staatshaushalt abzuführen, habe der Erwartungshaltung an das Unternehmen entsprochen.


56.5 Schlussbemerkung

Die BaySF konnte im GJ 2022 bei günstiger Holzmarktentwicklung einen Jahresüberschuss von 5,3 Mio.€ ausweisen. Die noch immer sehr geringe Eigenkapitalquote (1,6%) deutet allerdings auf eine nach wie vor herausfordernde wirtschaftliche Lage hin; namentlich ist die Liquidität weiterhin als angespannt anzusehen. Daher empfiehlt der ORH,

  • den Mitteleinsatz auf die Erfüllung der Kernaufgaben zu konzentrieren,
  • zur Sicherung der Handlungsfähigkeit der BaySF weiterhin mit künftigen Überschüssen die Liquiditätsreserven im Klimawaldfonds aufzustocken und
  • den Personalaufwand als wesentlichen Kostenblock fortlaufend zu evaluieren.


[1] Stand 2020.
[2] 52.000 Hektar weitere Flächen, wie Wasser- und Freilandflächen, Steinbrüche etc.
[3] Art. 3 StFoG, Art. 18 Abs. 1 Nr. 4 und Art. 22 Abs. 4 BayWaldG; z. B.: Erholungsfunktion, Moorrenaturierung.
[4] Art. 25 Abs. 1 AGGVG.
[5] Das GJ beginnt am 01.07. und endet am 30.06. des folgenden Jahres.
[6] Inkl. Erlöse aus Holzhandel, z. B. im GJ 2021 ca. 2 Promille des Holzumsatzes.
[7] Löhne und Gehälter sowie soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung und Unterstützung.
[8] Https://tannenhuette.de, abgerufen am 10.01.2023.
[9] Kumulierter Verlust von etwa 700.000 € (entspricht 7,9 % Rendite) bei einer Nutzungsdauer von 25 Jahren.
[10] Dies entspricht einer Eigenkapitalquote von 0,84 %.
[11] Eigenkapital zum 30.06.2015: 230.099.696 €.
[12] Eigenkapital zum 30.06.2020: 69.156.691 €.
[13] Zu Art. 16 Abs. 2 StFoG.
[14] Der Cashflow stellt als betriebswirtschaftliche Messzahl den Saldo der Zu- und Abflüsse liquider Mittel eines Unternehmens innerhalb eines Zeitraums dar.
[15] Stürme Vivian/Wiebke 1990, Sturm Lothar 1999, Sturm Kyrill 2007, Sturm Niklas 2015, Trockenjahr 2018, Sturm Sabine 2020.
[16] BayWaldG, BayNatschG und BayKlimaGBayWaldG, BayNatschG und BayKlimaG